Inhalte und Ziele der Mathematik
Wie Sie sicher wissen beschäftigt sich die Mathematik seit ihren Anfängen insbesondere mit Zahlen und mit Geometrie. Dabei hat sich das Verständnis dieser Begriffe im Laufe der Jahrhunderte immer weiter ausgedehnt -- die ursprünglichen Begriffe wurden abstrahiert.
Dieser Abstraktionsprozess erwies sich immer wieder als äußerst hilfreich, denn er ermöglicht es, bereits gelöste Probleme auf andere Situationen zu übertragen oder gar zu sehen, dass ein vermeintlich neuartiges Problem so neu gar nicht ist.
Im Gegensatz zu dem oft vorherrschenden Eindruck ist Mathematik keine abgeschlossene Ansammlung von Lehrinhalten. Es gibt eine Vielzahl offener Fragen, und jedes Jahr werden zigtausende von Abhandlungen mit neuen Ergebnissen und Methoden in Fachzeitschriften veröffentlicht. Allerdings ist es in der Regel unmöglich, den Gegenstand solcher Untersuchungen zu erläutern, ohne bereits umfangreiche mathematische Kenntnisse vorauszusetzen.
Für viele interessante und aktuelle Informationen zum Thema Mathematik empfehlen wir Ihnen die Seite mathematik.de der Deutschen Mathematiker Vereinigung.
Es war schon immer ein primäres Ziel der Mathematik, Gegebenheiten des täglichen Lebens zu verstehen oder vorherzusagen. Dazu gehört insbesondere auch die Frage, wie sich diese Gegebenheiten in der Formelsprache der Mathematik modellieren lassen.
- Dieses "Übersetzungsproblem" findet schon auf einem sehr elementaren Niveau seinen Ausdruck: Sie kennen die natürlichen Zahlen 1,2,3,... und deren Rechenregeln. In der Mathematik werden nur sehr wenige dieser Regeln als Axiome zu Grunde gelegt. Damit aber das mathematische Modell mit dem alltäglichen Verständnis übereinstimmt, muss nachträglich gewährleistet werden, dass die anderen Rechenregeln (die wir ja wollen!) wirklich im Modell auch gelten. Deswegen müssen in der Mathematik auch Dinge bewiesen werden, die man eigentlich als selbstverständlich ansieht.
Die nächste Aufgabe nach der Aufstellung eines Modells ist dann die Frage nach Lösungen von Gleichungen, die - im Zuge einer Rückübersetzung - Aussagen über das interessierende Problem ermöglichen.
Eine unmittelbare Konsequenz dieser beiden Aspekte ist es, dass Mathematikerinnen und Mathematiker sich auch für Probleme interessieren müssen, die es "nur innerhalb der Mathematik" gibt.
Obwohl die Ausrichtung an der Wirklichkeit und das Interesse an der Mathematik als solcher gleichermaßen wichtig sind, gibt es noch immer eine (oft eben irreführende) Zweiteilung der Mathematik in Angewandte Mathematik und Reine Mathematik. Die Grenzen zwischen diesen Teilen sind fließend.
Die Angewandte Mathematik dient vornehmlich der Modellierung und Lösung von außermathematischen Problemen. Hier ist es oft wichtig, mit anderen Disziplinen zusammen zu arbeiten. Diese Möglichkeit gibt es in Karlsruhe verstärkt in den Studiengängen Technomathematik und Wirtschaftsmathematik.
Die Reine Mathematik beschäftigt sich vornehmlich mit Fragen, die aus der Mathematik selbst stammen. Wie schon erläutert sind dies häufig Fragen, die unmittelbar an "angewandte Probleme" anknüpfen. Oft aber werden diese Probleme auch auf Dauer nur für Mathematikerinnen und Mathematiker interessant sein.
Vielleicht sollte an dieser Stelle noch darauf hingewiesen werden, dass auch mathematische Ergebnisse, die man zunächst für irrelevant hinsichtlich praktischer Anwendungen hielt, immer wieder nach oftmals langer Zeit Anwendungen fanden.
- Zum Beispiel wurden die komplexen Zahlen erfunden, weil sich mit ihrer Hilfe eine allgemeine Theorie der Lösung von Polynomgleichungen entwickeln lässt. Heute sind komplexe Zahlen aus der Physik oder Elektrotechnik nicht mehr wegzudenken. Andere (eher unbekannte) Beispiele für die Anwendbarkeit von ursprünglich "Rein gedachter" Mathematik sind sicher die Radon-Transformation (die heute in der Computertomographie benutzt wird) oder Rechnen mit Kongruenzklassen (heute wichtig in der Kryptographie).
Ein wichtiger Aspekt sei am Schluss noch benannt: die Beschäftigung mit Mathematik macht Spaß. Die Schönheit der Mathematik, die sich in ihrer inneren Stimmigkeit und Klarheit wiederspiegelt, erschließt sich wohl nur denen, die sich aktiv mit Mathematik beschäftigen.
Berufsaussichten
Was eigentlich tun Mathematikerinnen und Mathematiker im Berufsleben?
Da es hierfür sehr viele Möglichkeiten gibt, ist es gar nicht so einfach, auf diese Frage eine umfassende Antwort zu geben.
Zum Einen gibt es die Berufe, in denen wirklich Mathematik benutzt wird. Zu den Arbeitgebern gehören hier vor allem Versicherungen, Banken, Unternehmensberatungen, und (in der Regel größere) Produktionsunternehmen. Bei den letztgenannten wird Mathematik oft benutzt, um Kosten für teure Versuchsreihen möglichst gering zu halten, indem man durch geschickte mathematische Modellierung aussichtslose Experimente im Vorfeld erkennt. Bei den Finanzdienstleistern werden Finanzmathematiker gesucht. Mathematisch ist das eng verknüpft mit Statistik und Stochastik.
Zum Anderen gibt es aber auch viele Arbeitgeber, die Mathematikerinnen und Mathematiker nicht aufgrund ihrer Ausbildungsinhalte einstellen (soweit man das vom Rest trennen kann), sondern die kreative und präzise Art des Denkens zu schätzen gelernt haben, die während des Mathematikstudiums trainiert wird. Hierher gehören vor allem Softwarebetriebe. Gründlichkeit, gedankliche Flexibilität, und Ausdauer sind weitere gern gesehene Wesensmerkmale von Mathematikerinnen und Mathematikern.
Für diese gibt es also eine Vielzahl von interessanten Berufsmöglichkeiten. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind seit einigen Jahren geradezu fantastisch, aber auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten waren sie niemals wirklich schlecht.
